Quellennachweis: BIG Vereinszeitschrift "geboren" • Heft 53
Author: Rechtsanwalt Jürgen Korioth • 53773 Hennef • www.korioth.de

Landgericht Trier, Urteil vom 18.11.2013, 4 O 273/08

Fehlerhafte Schwangerschaftsbetreuung, Geburtshilfe und Nachsorge

In diesem Fall ging es sowohl um Fehler im Rahmen der Schwangerschaftsbetreuung der Mutter, der Geburtshilfe als auch der postpartalen Nachsorge. Die betreuende Frauenärztin hat es behandlungsfehlerhaft unterlassen, die Mutter trotz hochpathologischen CTG´ s in ein Krankenhaus mit Perinatalzentrum zu überweisen. Im Krankenhaus selbst sind die pathologischen CTG´ s nicht hinreichend beachtet und die Sectio viel zu spät durchgeführt worden. Darüber hinaus stand kein Pädiater auf der Entbindungsstation zur Verfügung, so dass die Nichtzuziehung eines Pädiaters ebenfalls fehlerhaft war.

Der Kläger ist schwergeschädigt.

Das Landgericht hat dem Kläger 500.000 € Schmerzensgeld sowie Zinsen in Höhe von 5 % über EZB seit dem 10.11.2008 zugesprochen, des Weiteren festgestellt, dass alle vergangenen und zukünftigen materiellen Ansprüche zu ersetzen sind. Die Beklagten sind als Gesamtschuldner verurteilt worden. Es sei ein grober Behandlungsfehler, dass die betreuende Frauenärztin trotz pathologischen CTG´ s keine weitere Befunderhebung veranlasste. Diese Nichterhebung weiterer Befunde (Dopplerultraschall) sei grob behandlungsfehlerhaft. Ebenso, dass lediglich ein weiteres CTG an diesem Tag für eine Dauer von lediglich 30 Minuten und erst nachmittags geschrieben wurde.

Die Geburtsleitung sei ebenfalls grob fehlerhaft gewesen, da die Zeit zwischen dem Entschluss zur Durchführung einer Sectio und der Entbindung mit 55 Minuten zu lang bemessen sei. Nach der Beweisaufnahme steht im Übrigen fest, dass dem Kläger im Rahmen der Nachsorge nicht ausreichend Glukose zugeführt wurde. Der Kläger hatte einen niedrigen Blutzuckerwert nach der Geburt und wurde, was streitig war und durch Zeugen geklärt wurde, nicht rechtzeitig und ausreichend mit Glukoseflüssigkeit versorgt. Nach der gutachterlichen Einschätzung hat die Behandlung der nachgeburtlichen Hypoglykämie nicht dem medizinischen Standard entsprochen und sei nicht verständlich. Auf der Grundlage dieser Einschätzung hat die Kammer einen groben postpartualen Behandlungsfehler bejaht. Da andere Schädigungsmechanismen ausgeschlossen werden konnte, was jedenfalls die Schwangerschaftsbetreuung, die Geburtsleitung und die Nachsorge anbelangte es nicht gänzlich ausgeschlossen, dass diese Fehler mitursächlich geworden sind, was letztendlich zur Haftung führte.

Bei der Bemessung des Schmerzensgeldes hat die Kammer alle maßgeblichen Umstände und unter Auswertung von Schmerzensgeldurteilen anderer Gerichte in vergleichbaren Fällen 500.000 € ausgeurteilt.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Angesichts der schwerwiegenden gutachterlich nachgewiesenen Vorwürfe sind wir aber zuversichtlich, dass das Urteil Bestand hat.

Quellennachweis: BIG Vereinszeitschrift "geboren" • Heft 53
Author: Rechtsanwalt Jürgen Korioth • 53773 Hennef • Telefon: 02242-9158493 • Email: korioth@korioth.de